Archiv für den Monat: Juni 2017

Alfons Drexler hatte die besten Karten

Straßkirchen. Beim traditionellen Preisschafkopfen der Jungen Union im Rahmen des Florianifestes der FF Straßkirchen gewann Alfons Drexler (4.v.li.) überlegen mit 115 Punkten und holte sich damit die 300 Euro Siegprämie ab. Nach der großen Teilnehmerzahl vom letzten Jahr waren es heuer etwas weniger Schafkopffreunde, woran sicher die große Hitze mit verantwortlich war. Die weiteren Plätze belegten Bernhard Ilg (5.v.li.) mit 82 Punkten, Hans Grundl (6.v.li.) mit 78 Punkten und Hans Unertl (3.v.re.) mit 72 Punkten, die sich damit die weiteren Geldpreise sicherten. Beste Frau war Anna Nigl (5.v.re.) mit 36 Punkten, die zusätzlich einen Blumenstrauß bekam. Außerdem gab es noch viele lukrative Sachpreise, darunter ein Spanferkel, das JU Mitglied Eva Lippl (2.v.re.) gestiftet hatte. Die Siegerehrung wurde musikalisch begleitet von „Der Artische Wahnsinn“, die Organisation lag in den Händen von JU-Vize Stefanie Heisl, Spielleiter Maxi Brandl, Kassier Christopher Raab, JU-Vize Fabian Dersch und JU Ortschef Gemeinderat Matthias Bredemeier.  –sl-/Foto Heisl

 

Die Mittelschule ist für Praktiker mit Grips

Grabl prägt bei JU-Diskussion Slogan für Image-Kampagne – Staatssekretär verweist auf Perspektiven

Salzweg. Nach wie vor hat die Mittelschule in der Gesellschaft ein Image-Problem – vor allem bei Eltern und teils auch bei Betrieben, von denen Bewerbern mit Mittlerer Reife aus der Realschule oft der Vorzug gegeben wird. Dabei ist die vor Jahren aufgewertete und um ein Unterrichtsjahr verlängerte einstige Hauptschule besser als ihr Ruf, wie auf einer Podiumsdiskussion der Jungen Union Salzweg-Straßkirchen verdeutlicht wurde. „Die Mittelschule ist die Schule für Praktiker mit Grips“, formulierte Schulamtsleiter Werner Grabl als Slogan für eine mögliche Kampagne zugunsten dieses oft unterschätzten Schulzweigs.
Gleich eine ganze Reihe von Plädoyers für die Mittelschule gab es am Donnerstagabend im Veranstaltungssaal in Straßkirchen – jeweils aus berufenem Mund. Neben dem Chef des Schulamts für Stadt und Landkreis Passau, der größten Behörde dieser Art in Niederbayern, machten sich Kultusstaatssekretär Bernd Sibler und Prof. Dr. Gerhard Waschler, bildungspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, sowie der Vizepräsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, Richard Hettmann, und Bezirksrat Josef Heisl jun. für diesen Bildungsweg stark.

Beste Voraussetzung für KarriereLetztgenannter zeigte sich aus persönlicher Erfahrung heraus davon überzeugt, dass die Mittelschule beste Voraussetzungen für den Einstieg in die Berufslaufbahn bietet. Heisl hat nach eigenem Bekunden 1996/97 die Hauptschule abgeschlossen und sich über den „Quali“ (Qualifizierender Hauptschulabschluss) und den „Quabi“ (Qualifizierte Beruflicher Bildungsabschluss) bis zum Handelsfachwirt weiterqualifiziert. Auch JU-Ortsvorsitzender Matthias Bredemeier, der die Podiumsdiskussion leitete, absolvierte die Mittelschule, schloss danach eine kaufmännische Lehre ab – allerdings zu Zeiten, als die 5. und 6. Klasse in Salzweg noch weitaus mehr Schüler zählte als die aktuell 33, wohlgemerkt in beiden Jahrgangsstufen zusammen.
Die Mittelschule schrumpft – woran liegt’s? Das wollte Bredemeier wissen. Die Leute bekommen heutzutage später und auch weniger Kinder, wie Bernd Sibler erwiderte. Neben dem Geburtenrückgang in den letzten Jahren machte der CSU-Politiker ebenso den Trend hin zu formal höheren Schulabschlüssen als Ursache für rückläufige Schülerzahlen an den Mittelschulen aus. Zwar gebe es inzwischen – auch dank des Zuzugs von Migranten – zumindest in den Städten eine deutlich steigende Geburtenrate. Doch trotz intensiver Bemühungen seitens der Staatsregierung lasse sich das in den letzten 25 Jahren deutlich veränderte Übertrittsverhalten nicht so schnell umkehren. „Wir müssen weiterhin klarmachen: Mit der Mittelschule haben wir ein sehr gutes Angebot“, unterstrich der Staatssekretär.

Die hohe Bedeutung dieser Schulart für das Handwerk hob Richard Hettmann hervor. Nicht zuletzt dank einer vor fünf Jahren mit einem Kostenaufwand von zehn Millionen Euro gestarteten, bundesweiten Kampagne habe man 2016 in Niederbayern die Trendwende geschafft, wieder mehr Lehrverträge – mit einem Zuwachs von fünf Prozent – abzuschließen. 56 Prozent der Auszubildenden würden aus der Mittelschule generiert. „Die Karriere mit Lehre beginnen“, das gab er als Devise aus. Die Vize-Präsident der Handwerkskammer machte darauf aufmerksam, dass laut einer Studie der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) Handwerksmeister in ihrem Arbeitsleben genauso viel verdienen wie Akademiker.

Kritik an „zweitem Schulsystem“Kritik übte der Staatssekretär an Bestrebungen seitens der SPD, die Übertrittsentscheidung allein den Eltern zu überlassen. Abgesehen davon, dass damit die Kompetenz der Grundschullehrer angezweifelt werde, verteufelte er solche Initiativen als Schwächung der Mittelschule.
Die Milliarden-Beträge an Ausgaben für Nachhilfe-Unterricht prangerte Werner Grabl an: „Manche Eltern leisten sich ein zweites Schulsystem, um für ihr Kind das Abitur zu bekommen.“ Er forderte eine noch stärkere Offensive ein, darzustellen, was die Mittelschule, deren Lehrer und Schüler leisteten.

Die Anstrengungen der Staatsregierung im Rahmen des neuen Bildungspakets mit einem „ausdrücklichen Bekenntnis zur Mittelschule“ erläuterte Gerhard Waschler. Dies sei die Basis für das Duale System in der Ausbildung, „um das wir weltweit beneidet werden.“
Mittelschülern stünden alle Chancen offen, beteuerte Bezirksrat Heisl, der das Motto prägte: „Kein Abschluss ohne Anschluss.“ Dem Handwerk stünden goldene Zeiten bevor, prognostizierte er. Dass etwa 15 Prozent der bayerischen Abiturienten eine Lehre machten, ließ Bernd Sibler die etwa 30 Zuhörer wissen und informierte darüber, dass zum neuen Konzept für die Gymnasien auch eine verstärkte Anzahl von Praktika gehörten.
Ursula Pouget, Konrektorin der Mittelschule Hutthurm-Büchlberg, bezeichnete sich selbst als beherzte Kämpferin für die Mittelschule und befürwortete den von Schulamtsleiter geprägten Slogan für eine notwendige Image-Kampagne. „Wir müssen ganz leidenschaftlich mit den Eltern reden“, lautete ihr Postulat, um zu verdeutlichen, wie leistungsfähig das Handwerk ist.

Foto und Bericht: Bernhard Brunner